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Ein Einblick in die Geschichte von Burgaltendorf


Überblick | Die Burg | Bergbau | Schulen | Einwohnerzahlen | Das Wappen

Die Geschichte Burgaltendorfs im Überblick

vor 10.000 Jahren steinzeitliche Nomaden leben hier und hinterlassen u.a. eine Steinaxt aus Amphibolitschiefer.
1.500 vor Christus sesshafte Gruppen leben hier; von ihnen wurde unter anderem ein Bronzebeil gefunden.
1.000 – 500 vor Christus Pfostenspuren von Häusern und Keramikreste weisen auf eine Besiedlung hin, deren Siedler schon Landwirtschaft betrieben. Einige dieser Flächen im Bereich zwischen Worringstraße und Vaesterei werden seither ununterbrochen bewirtschaftet.
1. Jh. vor bis 1. Jh. n. Chr. eine (germanische?) Siedlung besteht, deren Bewohner auch Ackerbau betreiben.
0 – 450 nach Christus römische Funde (darunter Reste eines Bronzegefäßes) lassen den Schluss zu, dass hier zeitweise ein römisches Militärlager bestand, vermutlich im Zusammenhang mit einem Ruhrübergang.
ca. 450 – 600 eine germanische Siedlung bestand östlich der Worringstraße.
um 1120 die Kirche von Niederwenigern wird erbaut. Zu diesem Kirchspiel gehört Burgaltendorf bis 1902.
1160 / 1180 die Burg Altendorf wird errichtet. Es ist möglich, dass dies der Anlass war, die Siedlung östlich der Worringstraße zu verlassen und die Höfe im Weichbild der Burg zu errichten. Jedenfalls standen nord-östlich und südlich der Burg die meisten der Altendorfer Höfe. Im Tale der Ruhr stand das Haus derer von Holtey mit ausgedehnten Ländereien in der Ruhrau. Der Bereich westlich der Herz-Jesu-Kirche war der gemeinsame „Markenwald“ der Bauern von Altendorf, Dumberg und Niederwenigern.
nach 1350 das Haus derer von Holtey im Ruhrtal wird verlassen und verfällt. Die Güter werden auf zwei Bauernhöfe verteilt: Ober-Holtey und Schulte-Holtey.
1486 im „Schatzbuch der Grafschaft Mark“ werden auch die Höfe in Altendorf erfasst; es sind 14, davon ist einer bereits geräumt (verlassen). Es fehlen mehrere Höfe, die nicht den Herren von der Mark schatzpflichtig (steuerpflichtig) waren, und auch eine Reihe von Kotten, die um diese Zeit entstanden.
1500 Kohlebergbau im Dorf beginnt: In der Burgschmiede wird erstmals statt Holzkohle Steinkohle verwendet. Die Bauern graben auf ihrem Grund nach Kohlen, wenn die Feldarbeit dies zulässt.
1672 französische Truppen sind in Altendorf. Im Rahmen ihres Aufenthaltes kommt es zum Abbrand des Bungert-Hofes.
ab 1750 Friedrich der Große von Preußen will die Wirtschaft in der Grafschaft Mark fördern: Er sendet Bergbauexperten aus Sachsen, Thüringen und dem Waldeckschen hierher, um das Anlegen von Stollen und Erbstollen zu verbessern. Zum Abtransport der Kohlen setzt er die Schiffbarmachung der Ruhr durch (Anlegen von Schleusen, auch in Altendorf). Als der Aufschwung erkennbar wird, kommen Arbeitssuchende aus naher und bald immer weiterer Entfernung (Sauerland, Eifel, Westerwald, Münsterland). Sie errichten, meist verstreut im Markenwald, Kotten mit einem großen Nutzgarten.
1780 die Ruhr ist von Langschede bis Ruhrort schiffbar. Dazu trägt auch die Schleuse bei, die der Freiherr von Wendt auf Haus Horst auf Drängen Friedrich II. bauen musste. Sie liegt am Altendorfer Ufer, wo auch ein Wohnhaus für den Schleusenwärter und seine Familie errichtet wird. Die Schleuse ist nach mehrmaliger Renovierung noch heute in Betrieb.
1815 die Gemeinde Altendorf wird dem Kreis Bochum zugeteilt.
1819 im Hause des Steigers Vondran [Haverkamp 7] findet Schulunterricht für die evangelischen Kinder Niederwenigerns statt; auch Altendorfer Kinder dürfen ihn besuchen. 1829 wird der Unterricht in einem neu errichteten Schulhaus im Rosental erteilt.
ab 1832 die Zechen Charlotte, Altendorfer Mulde, Kandanghauer und Steingatt gehen zum Tiefbau über. Es werden mehr Arbeitskräfte erforderlich. Diese Bergmanns-Kötter bauen zum Teil im Markenwald (Altendorf Busch), aber auch an den bestehenden Straßen. Gaststätten, Säle, Steinbrüche, Ziegeleien, Schmieden, Stellmacherein, eine Möbelfabrik, Schuhmacher- und Schneidereien, Bäckereien, Winkelier-Läden (Lebensmittel-/Kolonialwaren), Vereine und ein Spar- und Darlehnskassenverein [heute Geno-Volks-Bank] entstehen.
ab 1858 die katholische Burgschule im Gelände der Vorburg, erbaut aus den Steinen der Burg, wird bezogen. Seit 1846 hatte man durch Unterricht in der Gaststätte Mintrop im Schwarzensteinweg den Weg nach Niederwenigern für die Kinder vermieden.
1860 „Adler-Apotheke“ eröffnet an der Laurastraße, die erste Apotheke der Ruhrhalbinsel
ab 1870 die Ziegelei Köllermann baut an der heutigen Holteyer Straße zwei Reihen eingeschossiger Arbeiter-Wohnhäuser, von der Bevölkerung „Bandwurm“ genannt.
ab 1874 die Bergische Eisenbahn von Überruhr aus und die Rheinische Eisenbahn von Steele Süd aus bauen Eisenbahnverbindungen nach Altendorf, um die hier geförderten Kohlen zu transportieren. Personenverkehr wird erst später erfolgen und nie große Bedeutung erlangen. Im Bereich des Bahnhofs entsteht ein Gewerbegebiet, in dem sich einige Firmen niederlassen .
1876 die „Buschschule“ für die katholischen Kinder im Oberdorf (Mölleneystraße) wird in Betrieb genommen.
1885 die Gemeinde Altendorf wird  dem Landkreis Hattingen, Amt Winz zugeteilt. Die Bebauung mit Bürgerhäuser an den Straßen beginnt.
ab 1890 eine zentrale Wasserversorgung wird von der Gemeinde eingerichtet und wenige Jahre später an die heutige Firma Gelsenwasser verkauft. Die baut sie erheblich aus, um von hier einen großen Teil des Reviers mit Trinkwasser zu versorgen. Im Ruhrtal werden große Filterbecken angelegt, ein Wasserturm und ein Erdbehälter werden an der Straße Am Wasserturm errichtet.
1898 an der alten Hauptstraße 99 entsteht die Möbelfabrik „Gebrüder Neuhaus Altendorf“. Aus ihr entstanden im Lauf der nächsten Jahrzehnte drei unabhängige Firmen der Möbelbranche.
1898 die Katholiken, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachen, bauen die Herz-Jesu-Kirche und gründen 1902 eine eigene Pfarrei. Die Jahrhunderte alte Zugehörigkeit zum Kirchspiel Niederwenigern ist damit beendet.
1899 ein neues Schulgebäude an der Kohlenstraße ersetzt die evangelische Schule im Rosental.
1898, 1901 mit der „Eggemannschen“ Schwimmbrücke nach Dahlhausen und der „Holteyer“ Brücke nach Horst wird es für die Altendorfer einfacher, Arbeitsplätze jenseits der Ruhr zu erreichen. Allerdings sind 5 Pfennige zu zahlen, was ihnen den Namen „5-Pfennigs-Brücke“ einträgt.
1914 – 18 112 Soldaten aus dem Dorf fallen im 1. Weltkrieg [in den Kriegen 1866 und 1870/71 waren es insgesamt 9 Soldaten]
1925 der erste Linienbus verkehrt im Dorf. Er fährt von Hattingen über Niederwenigern nach Altendorf und weiter über Horst nach Steele.
1929 Altendorf-Ruhr wird dem neuen Kreis Ennepe-Ruhr zugeteilt, dessen Sitz in Schwelm ist.
1933 Linienbusverkehr von Essen über Steele nach Altendorf wird eingerichtet .
1939 – 45 der 2. Weltkrieg geht nicht ganz spurlos am Dorf vorbei. Landwirtschaft und Bergbau sind nur durch den Einsatz von Frauen und Zwangsarbeitern aufrechtzuerhalten.
ca. 235 Soldaten aus dem Dorf fallen bzw. werden vermisst. Daneben sterben im Dorf durch Bomben bzw. Artillerie-Geschosse und räubernde ehem. Zwangsarbeiter 11 Zivil-Personen.
nach 1945 Flüchtlinge aus den mittel- und ostdeutschen Ländern müssen untergebracht werden. Für sie entstehen Siedlungen Auf dem Loh und im Bereich des Elvenholzfeld.
1953 „Auf dem Loh“ entsteht die erste evangelische Kirche des Dorfes. Damit war auch für diese Christengemeinde die Zugehörigkeit zur Pfarrei in Niederwenigern beendet.
1956 Baubeginn der Siedlung „Schlüters Busch“; in den folgenden Jahren entstehen in der „Heinrich Kämpchen Straße“ und „Auf dem Loh“ Siedlungen für Bergleute.
1959 die neue „Burgschule“ an der Holteyer Straße entsteht mit Turnhalle und Lehrschwimmbecken. Die alte wird 1961 bei einer Feuerwehrübung abgebrannt.
1965 an der Kohlenstraße entsteht eine Hochhaus-Siedlung. Sie bleibt die einzige des Dorfes.
1968 auf der Zeche Theodor wird die Förderung eingestellt. Rund 1.500 Beschäftigte müssen einen neuen Arbeitsplatz suchen.
1970 die Gemeinde Altendorf-Ruhr wird in die Stadt Essen eingegliedert und erhält den Namen „Essen-Burgaltendorf“. Straßennamen, die nun doppelt im Stadtgebiet sind, werden zur Hälfte in Burgaltendorf, zur Hälfte in anderen Stadtteilen geändert.
1970 das Schulzentrum an der Alten Hauptstraße 50 ist Standort einer Gemeinschafts-Grund- und -Hauptschule.
1972 die Comenius-Schule, eine Sonderschule für geistig Behinderte,  nimmt den Unterricht in der ehemaligen Buschschule auf. Ab 1984 zieht sie um in das neue Schulzentrum an der Alten Hauptstraße 50/Auf dem Loh 15 S.
1981 das „Worring-Center“ an der Alten Hauptstraße entsteht im Gelände der ehemaligen Gärtnerei Hagemann ein Komplex mit zahlreichen Geschäften und Wohnungen.
1985 die „Comenius-Halle“ wird eingeweiht, eine Mehrzweckhalle für sportliche und kulturelle Veranstaltungen.
1988 die evangelischen Christen können das neue „Jesus-lebt Gemeinde-Zentrum“ Auf dem Loh beziehen, das der größer gewordenen Gemeinde Rechnung trägt.
1993 die Siedlung „Ketteltasches Hof“ entsteht.
2001 um die weitere Bebauung des Dorfes gibt es kontroverse Diskussionen im Dezember beginnt mit Hilfe des Heimat- und Burgvereins eine notwendige neue Restaurierung der Burgruine.


Die Burg Altendorf

 
ca. 1160 – 1180 die Burg wird im romanischen Stil erbaut mit Wohnturm, Vorburg und Wassergräben. Aufsitzer sind die „Herren von Altendorf“. Dies ist ein „Ministerialen“-Geschlecht, das im Dienste des heimischen Adels (der Grafen von Berg, von Altena-Isenburg, von der Mark und der Essener Fürstäbtissin) tätig ist. Einige sind Ritter,  über drei Generationen  waren sie Drosten am Hofe der Fürst-Äbtissin. Viele Söhne finden sich auch in Kirchenämtern.
um 1380 die Burg gelangt durch Heirat an einen Sohn von Vittinghoff-Schell. Die Burg wird umgebaut im Stile der Gotik.
um 1540 unter Christopher von Vittinghoff-Schell wird die Burg erneut umgebaut, diesmal im Renaissance-Stil. Dabei wird die Vorburg vergrößert, höher gelegt und der halbrunde Treppenturm des Wohnturms durch einen achteckigen ersetzt.
um 1605 die Altendorfer Linie der Familie von Vittinghoff-Schell stirbt aus. Das gesamte Erbe mit den Jagd-, Weide-, Fischerei- und Marken-Rechten, Bergwerksbeteiligung, freie Benutzung der Dahlhauser Mühle, freie Überfahrt auf der Ruhr, das Patronats-Recht der Justinen-Vikarie in Niederwenigern sowie Kirchensitze und Begräbnisplätze dort, sowie den Abgabe-Pflichten vieler Bauern der Umgebung gelangt an eine Vielzahl entfernter Verwandter. Darunter erweisen sich zwei Brüder von Ketteler als besonders erfolgreich in dem Bestreben, diesen Besitz wieder in wenigen Händen zusammenzufassen. Trotzdem geraten sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten und müssen Kredite aufnehmen.
1629 wegen der finanziellen Probleme kommt es zur Verpfändung der Burg an einen Capitain Jacob von Mangelmann. Spätere Versuche, das Pfand wieder einzulösen, scheitern trotz langer Prozesse.
1642 nach Mangelmanns Tod fällt das Erbe „Haus Altendorf“ an seine Kinder aus zwei Ehen: Die Tochter [aus 1. Ehe] hatte einen Mumm von Schwarzenstein geheiratet; sie konnte sich mit dem Stiefbruder nicht über das Erbe einigen. Ein Gericht entschied, dass der Tochter  2/3 und dem Sohn 1/3  am Hause Altendorf zustehe. Bei dieser Regelung blieb es unter allen Nachkommen bis zum Verkauf der Burg.
1666 nach dem Abbruch der Burg Blankenstein wird in der Burg Altendorf das Amtsgefängnis eingerichtet
1775 Teile der Burganlage werden als „Kötterei“ an einen Schichtmeister Geldmacher aus dem Waldeckschen verpachtet. Ab 1800 errichten die Pächter aus den Steinen der Burg ein Wohnhaus in der Vorburg.
1849/50 die Burganlage wird verkauft an einen Steiger, der sie 1850 weiter veräußert an die heimischen Bauern Mintrop und Kellermann. Von diesen kauft sie 1858 die katholische Schulgemeinde, die aus den Steinen der Burg in der Vorburg die „Burgschule“ errichtet.
1903/04 es finden erste Restaurierungs-Arbeiten statt, bei denen insbesondere Breschen, die in den Wänden des Burgturmes entstanden waren, geschlossen wurden.
1925 die aus dem Sauerland stammende Künstlerin Josefa Berens [später Berens-Totenohl] ist bei einem Besuch von der Ruine angetan und beantragt, im Wohnturm eine Künstlerwohnung einzurichten. Detail-Pläne entstehen, doch die Mühlen der Verwaltung mahlen der Künstlerin zu langsam; sie verzichtet.
1934 die Gemeinde Altendorf errichtet im östlichen Burggraben ein pyramiden-ähnliches Denkmal für die Gefallenen der Kriege von 1866, 1870/71 und 1914-1918. Ein Hakenkreuz, mehrere christliche Kreuze und die Worte „Glaube – Treue – Dienen, 1914 – 1918“  prägen das Aussehen. Nach dem 2. Weltkrieg wird das Hakenkreuz entfernt. Das Denkmal selbst wird im Zuge der Renovierung um 1960 als nicht denkmalwürdig eingestuft und entfernt.
1963 – 1970 nach einem planerischen Vorlauf seit 1954 wird in diesen Jahren die Renovierung der Burganlage durchgeführt. Die eingestürzten Mauern, die den Burgturm umgaben, werden wieder hochgezogen, des gleichen Mauern der Vorburg einschließlich der Ecktürme, vom Burgturm werden der starke Efeubewuchs entfernt und das Mauerwerk ausgebessert. Begleitet werden die Arbeiten von einer archäologischen Arbeitsgemeinschaft des Hattinger Jungen-Gymnasiums unter ihrem Lehrer, dem Kreisheimatpfleger Dr. Eversberg. Sie „entdecken“ den süd-östlichen Eckturm der Burg einschließlich der Fundamente des Torhauses wieder, das die Zugbrücke nach außen sicherte. Gleichzeitige Quellenstudien ergänzen das Wissen um die Anlage.
1969 in der Vorburg wird die Gaststätte „Burgfreund“  errichtet.
1972 an der nördlichen Außenmauer des ehem. Wirtschaftsgebäudes wird ein neues Mahnmal errichtet mit der Aufschrift: „Den Toten zum Gedächtnis – den Lebenden zur Mahnung“. Jährlich zum Volkstrauertag zieht eine Abordnung Burgaltendorfer Vereine zu diesem Denkmal und legt im Rahmen einer Feierstunde hier Kränze nieder.
1981 erstmals findet das Burgfest statt, ein Dorffest vieler Burgaltendorfer Vereine. Seither schmückt den Burgturm im Sommer eine Fahne mit dem Wappen der „Herren von Altendorf“ und zur Weihnachtszeit ein weithin sichtbarer beleuchteter Tannenbaum.
2000 das Gelände des Burgturms wird gesperrt. Wegen Erosion an Steinen und Mörtel drohen Steine herab zu fallen. Seit Ende 2001 finden Restaurierungsarbeiten unter Beteiligung des Heimat- und Burgvereins statt, die sich über mehrere Jahre hinziehen werden.

Bergbau in Burgaltendorf

um 1500 der Beginn der Verwendung von Steinkohle in der Burgschmiede lässt auf Bergbau im Dorf schließen.
1629 bei der Verpfändung von Haus Altendorf gehört zum Burgbesitz die Hälfte eines Bergwerks.
1632 in einem Protokoll über die Kohlberge des Amtes Blankenstein sind drei davon in Altendorf genannt.
1674 die Altendorfer Markenerben klagen gegen Überruhrer Bauern und ihre Landesherrin (die Essener Fürst-Äbtissin), die „einige Kohlenbänke nebst etlichen hundert Morgen Land an sich zu ziehen und dadurch Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg Territorium streitig zu machen sich unterstanden“.
1754/55 in den märkischen Zechentabellen dieser Jahre finden sich sechs Bergwerke aus Altendorf; Gewerken (Eigentümer) und Schichtmeister sind fast ausschließlich heimische Bauern und Kötter.
ab 1750 der Aufschwung des Bergbaus beginnt, gefördert durch den Zuzug von Bergleuten aus Sachsen, Thüringen und dem Waldeckschen, ab 1780 zusätzlich durch die schiffbar gemachte Ruhr. Es entstehen eine Fülle von kleinen Bergwerken und von Erbstollen, die das Wasser dieser Bergwerke ableiten und durch die z.T. die Kohle zutage gefördert wird. Ein paar Namen aus der großen Zahl: Altendorfer Bank, Aproche, Brüderschaft, Bungertsbank, Catharina, Dreieinigkeit, Freundschaft, Geitling, Getreu, Horster Hoffnung, Mülheimerglück, Neuglück, Polen, Preußische Adler, Sackberg, Schockenbank, Schrutenberend, Vaerstbank, Altendorfer Erbstolln und Himmelsfürster Erbstolln. Hauptabsatzweg ist die Ruhrschifffahrt; darum legen einige der Bergwerke an der Ruhr „Niederlagen“ genannte Kohlenmagazine an. Ein alter Absatzweg war aber auch die „Kohlenstraße“ nach Nierenhof. In Säcken auf Pferderücken bringen Kohlentreiber die Kohle zu einem großen Magazin in Nierenhof, von wo die Kohle weiter zu Abnehmern ins Bergische gelangt.
1832 die Zeche Charlotte teuft den gleichnamigen Schacht als ersten Tiefbauschacht des Dorfes; er blieb bis 1968 in Betrieb.
1845 begann die Zeche Altendorfer Mulde mit dem Schacht „Rochussen“, 1850 die Zeche Steingatt mit dem Schacht „Laura“ und 1856 die Zeche „Kandanghauer“ mit dem Schacht „Willm“ zum Tiefbau überzugehen.
1847 an der heutigen Burgstraße wird in einem kleinen Fachwerkhäuschen Heinrich Kämpchen geboren. Etwa 10 Jahre später zeiht die Familie nach Linden-Dahlhausen, Kämpchen wird Bergmann und ist beim ersten großen Streik 1889 Sprecher der Bergleute. Er wird ausgesperrt und findet keine Arbeit mehr. Dafür setzt er sich in einem wöchentlichen Artikel, der auf der Titelseite der Bergarbeiter-Zeitung erscheint, für die Belange der Bergleute ein. Daneben schrieb er über seine Heimat, das Tal der Ruhr, und besonders über „sein Altendorf“.
1857 zu den 13 Revieren des Königlichen Bergamtes zu Bochum gehört das „Revier Altendorf“; es reicht von Niederwenigern bis nach Schalke.
1865 auf der Zeche Altendorf wird erstmals im Revier mit Pressluft-Bohrern Kohle abgebaut.
1900 die Tiefbauzechen Altendorf mit den Schächten „Rochussen“, „Willm“ und „Schacht 2“, Steingatt mit dem Schacht „Laura“ und Charlotte mit Schacht „Charlotte“ fördern über 400.000 t Kohle und formen Briketts. Alle haben einen Gleisanschluss zum Bahnhof Altendorf bzw. Steingatt nach Kupferdreh. Beschäftigt sind bei diesen Zechen allein 1.800 Bergleute.
1903 Steingatt wird stillgelegt, 1910 Charlotte und 1914 Altendorf Tiefbau. In den folgenden 20 Jahren wird nur in bescheidenem Umfang im Dorf Kohle gefördert. Die Abbaufelder der Zechen gehen an andere Bergwerke. Diese bauen in den Altendorfer Feldern z.T. aus Schächten in den Nachbarorten ab.
1934 die „Gewerkschaft Heinrich“, die in Überruhr die Zeche Heinrich betreibt, baut im Bereich der Zeche Charlotte ein neues Bergwerk, dem sie den Namen „Theodor“ gibt.
1957 die Zeche Carl-Funke nimmt den 1914 stillgelegten Schacht 2 der Zeche Altendorf wieder in Betrieb. Hier wird aber nicht mehr zu Tage gefördert, sondern nur zu einer Zwischensohle, von wo die Kohle nach Carl-Funke in Heisingen gefahren und dort zu Tage gefördert wird. Im Feld Altendorf baut man die Kohle erstmals hydro-mechanisch ab.
1968 wird die Zeche „Theodor“ geschlossen; in den Jahren zuvor war mit über 600.000 t im Jahr und 1.600 Beschäftigten neue Höchstmarken erreicht worden.
1973 die Zeche Carl Funke stellt im Feld Altendorf den Abbau ein. Damit ist nach rund 500 Jahren der Bergbau im Dorf beendet.

Die Schulen Burgaltendorfs

Bis zur Einrichtung eigenen Schulunterrichts im Dorf mussten alle Schüler nach Niederwenigern, dem zuständigen Kirchspiel.

1811 eine Privatschule des Lehrers Johann Claes, vermutlich in der Nähe der „Schönen Aussicht“, qwird von rund 80 katholischen Kindern aus Altendorf und Dumberg besucht.
1818 im Hause des Steigers Vondran [heute Haverkamp 7] wird für die evangelischen Kinder Schulunterricht gehalten.
1829 1829  im Rosental entsteht ein Schulhaus für die evangelischen Schüler.
1846 die katholischen Kinder werden in einem Gasthaussaal im Schwarzensteinweg unterrichtet.
1858 in der Vorburg wird aus den Steinen der Burg die „Burgschule“ errichtet.
1976 an der Mölleneystraße wird die „Buschschule“ errichtet.
1899 an der Kohlenstraße 1 wird die neue evangelische Schule errichtet.
1959 die neue Burgschule wird an der Holteyer Straße mit Turnhalle und Lehrschwimmbecken errichtet, die alte wird 1961 im Rahmen einer Feuerwehrübung abgerissen.
1970 im neuen Schulzentrum an der Alten Hauptstraße werden Grund- und Hauptschule (bis 1981) als Gemeinschaftsschulen untergebracht.
1972-1984 die ehem. Buschschule wird als „Comenuis-Schule“ für geistig Behinderte eingerichtet, anschließend wechselt sie in das Schulzentrum an der Alten Hauptstraße.

Die Entwicklung der Einwohnerzahlen

1750        65 Haushaltungen
1815      461 Einwohner 
1818      551 Einwohner
1839   1.096 Einwohner
1859   1.530 Einwohner
1871   2.014 Einwohner
1896   3.056 Einwohner
1905   3.686 Einwohner
1908   4.004 Einwohner
1936   4.032 Einwohner
1970   7.402 Einwohner
2000 10.500 Einwohner
2005   9.700 Einwohner

Das Wappen der Herren von Altendorf

Das Wappen der Herren von Altendorf bestand aus einem roten Schild, in dem sich drei silberne „Pferdepramen“ oder „Pferdebremsen“ befanden. Dies sind metallene Klemmen, die innen Zacken aufweisen. Mit weißen Schnüren konnten man die Klemmen im geschlossenen Zustand arretieren.

Solche Klemmen nutzte man früher beim Wildpferdefang. Die Klemmen/Pramen wurden den Wildpferden auf die Nüstern gedrückt; mit dem dadurch hervorgerufenen Schmerz an der empfindlichsten Stelle wurden die wilden Pferde gefügig gemacht. Wildpferde, die heute noch im Merfelder Bruch beheimatet sind, waren damals noch in der Emscherregion verbreitet.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Herren von Altendorf auch Wildpferde gefangen hätten. Für alles was mit Pferden zu tun hatte, war der Marschall der Fürst-Äbtissin zuständig. Die Herren von Altendorf waren als Droste für die Küche der Dame und für den Essener Markt zuständig.

Solche Wappen führten eine ganze Reihe von solchen niederen Adelsfamilien, die im Dienste der Essener Fürst-Äbtissin standen. Es waren Dienstmannenwappen, die die Fürst-Äbtissin ihnen verlieh. Dabei variieren Zahl und Anordnung der Pramen ebenso wie die Farbe des Schildes.

Es führten solche Wappen z. B. auch die Herren auf Haus Holtey im Altendorfer Ruhrtal, die auf Haus Horst, die von Eickenscheidt, die von Schalke, die von der Leithe, die von Carnap u.s.w.


Text: Dieter Bonnekamp - Heimat und Burgverein

 
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